Werner Herzog drinks cough syrup from a shoe. Harmony Korine’s Julien Donkey-Boy. 1999.
Gustav Klimt - Zwei auf dem Rücken liegende Akte
Theodor W. Adorno, Minima Moralia
“Der Mensch war von Natur aus ein ziemlich zähes und aggressives Biest. Er musste es sein, sonst wäre er vor 40000 Jahren jämmerlich und leise weinend eingegangen. Er funktioniert am besten unter Bedingungen, die seine Existenz bedrohen. Dann werden Adrenalin und andere Hormone ausgeschüttet, die einen physischen und mentalen Leistungsschub bewirken. Der Kapitalismus hat es nun geschafft, die permanente Existenzbedrohung in die Zivilisation hinüberzuretten. Von Theodor Adorno stammt der kluge Gedanke, das, was millionenschwere Topmanager antreibe, sei in letzter Instanz die atavistische Angst vorm Verhungern.
Wollen wir das? Immer mit der latenten Angst vorm Verhungern leben, einer Angst, die in Krisenzeiten ganz real wird und ungeahnte Leistungsreserven mobilisiert? Ich will es nicht. Ich sehe nur keine Möglichkeit mehr, diesen Zustand zu ändern. Ich kann zwar zwischen 50 Sorten Waschmitteln wählen, aber beim Produktionsverhältnis habe ich leider keine Wahl. Und die Geschichte ist kein Theaterstück, das man bei Nichtgefallen absetzen und dann ein neues auf die Bühne bringen kann.”
René Magritte. Hegel’s Holiday. 1958. Oil on canvas. 61 x 50 cm. Private collection.
“Denn in der Tat hat Deutschland den Pazifismus diskreditiert und ad absurdum geführt, indem es praktisch vorgeführt und damit empirisch bewiesen hat, dass es Schlimmeres geben kann als den Krieg; dass Schrecken möglich sind, von denen nur eine starke Armee befreit. Deutschland selbst unter den Nazis war dieser Schrecken, gegen den es kein Mittel als Bomberflotten und Panzerverbände gab. Die Armee als wirklichen Befreier und den Krieg als wahren Sachwalter und Vollstrecker der Menschlichkeit in die Weltgeschichte eingeführt zu haben ist das verhängnisvolle Verdienst dieses Landes.”
Wolfgang Port, 1984
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Wolfgang Port ist heute im Alter von 73 Jahren gestorben.
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Dem Prozeß der Psychoanalyse als solchem ist es um Gesellschaft zu tun. Nicht nur um die gesellschaftliche Dimension des Unbewußten, sondern auch um die unbewußte Dimension der Gesellschaft, ohne deren Berücksichtigung gesellschaftliche Emanzipation zum Scheitern verurteilt ist – oder in Katastrophen mündet. So geschehen im zwanzigsten Jahrhundert.
Die Psychoanalyse von der wir reden, ist nicht die real existierende. Die Rede ist von einer Psychoanalyse, die sich nicht bloß auf ihre kulturkritische Tradition – als auf einen von der Klinik getrennten Teilaspekt – besinnt, sondern dem Analysanden und seinem Unbewußten in der analytischen Behandlung nicht therapeutisch begegnet – sondern kulturkritisch."